Helfen Berührungen bei Depression?
Wirken und helfen Berührungen – Massage und Kuscheln – bei Depression? Und welche Rolle können sie im Zusammenspiel mit psychotherapeutischer Begleitung spielen?
Viele Menschen mit Depression erleben nicht nur seelische Niedergeschlagenheit, sondern auch einen tiefen Verlust von Nähe, Verbundenheit und körperlichem Wohlgefühl. Worte allein reichen dann oft nicht aus, um sich wieder lebendig, gehalten oder verbunden zu fühlen.
In diesem Artikel gehen wir der Frage nach, wie Berührungen auf Körper und Nervensystem wirken können, welchen Beitrag sie im Umgang mit depressiven Symptomen leisten und wo ihre Grenzen liegen. Dabei beziehen wir sowohl unsere Erfahrungen aus der Arbeit mit Klient:innen als auch den aktuellen Stand der Forschung mit ein.
Was ist eine Depression? – Mehr als Traurigkeit
Ist Depression einfach nur Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit oder Unwohlsein? Ganz klar: Nein.
Depression ist keine depressive Verstimmung, welche temporär auftritt und bei uns Menschen völlig normal ist: „Ich fühle mich heute nicht gut. Bin irgendwie traurig. Habe keine Lust.“ Einen schlechten Tag oder auch ein paar schlechte Tage nacheinander haben wir alle mal. Depression ist eine ernstzunehmende Krankheit und bedeutet, über Wochen und Monate in diesem Zustand gefangen zu sein. Die Betroffenen beschreiben sich als psychisch niedergeschlagen und hoffnungslos. Sie erleben Freudlosigkeit und Antriebsmangel, empfinden Ängstlichkeit, sind müde und zeigen ein passives, vermeidendes und defensives Verhalten. Sie sprechen von Gleichgültigkeit, „versteinert sein“ und innerer Leere: „Ich fühle gar nichts mehr – weder Freude, noch Trauer, keine Liebe, kein Mitgefühl, nichts.“
Weitere Symptome sind Interessenverlust, Schlaflosigkeit und Erschöpfungszustände schon nach kleinsten Anstrengungen, welche die Verrichtung alltäglicher Dinge und somit das Meistern des Alltags enorm erschweren. Es können Kopf- und Rückenschmerzen auftreten und es kann zu Herz-, Atem- und Magen-Darmbeschwerden kommen. Darüber hinaus können, in an Depression leidenden Menschen, Schuldgefühle und Gedanken über die eigene Wertlosigkeit entstehen, welche eine Minderung des Selbstvertrauens und des Selbstwertgefühls nach sich ziehen. Kurz gesagt: Die Erkrankung beeinflusst das Denken, Handeln und Fühlen der Betroffenen – es besteht großes seelisches und körperliches Leid – und sie kann sogar lebensbedrohliche Ausmaße* annehmen.
Depression wird in unterschiedliche Schweregrade eingeteilt. Manchen Betroffenen ist sie nicht anzumerken. Sie funktionieren, lachen, wenn sie lachen sollen, arbeiten, wenn sie arbeiten sollen, geben das Bild und das Verhalten von teilhabenden Mitgliedern der Gesellschaft ab. Doch dieses Bild stimmt nicht mit deren innerem Gefühl überein. Es ist eher ein so-tun-als-ob, ein ‚faken‘ des eigenen Lebens, das unendlich viel Kraft kostet. Nimmt der Schweregrad zu, setzt eine deutliche Beeinträchtigung in der Lebensführung, in der Bewältigung von alltäglichen Aufgaben ein. Der Leidensdruck nimmt zu. Bei einem hohen Schweregrad kann es sogar soweit kommen, dass die Betroffenen sich nicht mehr bewegen können und nur noch teilnahmslos herumliegen. Allein das Aufstehen am Morgen ist nicht mehr möglich, Essen eine übermäßig starke Anstrengung, der nur widerwillig nachgegangen wird.
Depression ist die häufigste psychische Störung bei Erwachsenen und betrifft weltweit über 300 Millionen Menschen. In Deutschland gibt es wohl vier Millionen Betroffene und die Gefahr, im Laufe eines Lebens an Depression zu erkranken, liegt bei 16-20 %. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation stellen die Einschränkungen durch Depressionen die Hauptursache für gefühlt verlorene Lebensjahre dar. Manche beschreiben Depression wie einen Gang durch die Hölle.
Nicht, weil sie dramatisch sein wollen – sondern weil sich alles eng, dunkel und ausweglos anfühlt. Ein stiller Gedanke, der in solchen Phasen Orientierung geben kann, lautet:
Wenn du durch die Hölle gehst, bleib nicht stehen. (Sprichwort)
Nicht als Aufforderung, stark zu sein. Sondern als Erinnerung, dass auch kleinste Schritte Bewegung sind – und dass Begleitung möglich ist.
Umgang mit depressiven Menschen
Wichtig ist, die Symptome und das Krankheitsbild der betroffenen Menschen ernst zu nehmen und nicht herunterzuspielen. Sätze wie: „Reiß dich halt zusammen.“ oder „Lenk dich einfach ab.“ sind nicht nur nicht hilfreich, sie können das gefühlte Elend, die gefühlte Isolation der Betroffenen sogar noch verstärken. Das haben sie längst versucht und das Gefühl des Nichts-tun-könnens um Abhilfe zu schaffen, diesem Zustand einfach ausgeliefert zu sein, ohne ein Ende nahen zu sehen, macht gerade die Schwere dieser Krankheit aus.
* Viele Menschen mit Depression setzen sich im Verlauf ihrer Erkrankung mit suizidalen Gedanken auseinander. Depressionen zählen zu den bedeutenden Risikofaktoren für Suizidalität, weshalb eine frühzeitige, ernsthafte Begleitung und Unterstützung besonders wichtig ist.
(Zahlen und Einschätzungen basieren u. a. auf Angaben der Weltgesundheitsorganisation und klinischer Fachliteratur.)
Wie entsteht eine Depression? – Ursachen und Risikofaktoren
Letztendlich ist die Ursache für die Entstehung und auch Aufrechterhaltung einer Depression bis heute nicht abschließend geklärt. Es wird davon ausgegangen, dass mehrere Ursachen zugrunde liegen und dass diese sich aus einer Wechselwirkung von biologischen, psychologischen, sozialen und anderen Risikofaktoren zusammensetzen.
Aus neurobiologischer Sicht existiert eine genetische Disposition für depressive Erkrankungen, d. h., dass sie erblich bedingt sein können. Ob und wie sich das Krankheitsbild schlussendlich zeigt, hängt jedoch vom Zusammenspiel verschiedener biologischer, psychologischer und sozialer Einflüsse ab.
Besonders hervorheben möchten wir die sozialen Faktoren (u.a. Stress, Schlafmangel, mangelnde soziale Anbindung und Unterstützung, akute Belastungen und das dauerhafte Gefühl von Einsamkeit), da wir mit achtsamen Berührungen vor allem auf diesen einwirken können. Die durch liebevolle Berührung entstehende Entspannung kann stressmindernd wirken und durch die körperlich gefühlte Unterstützung werden akute Belastungen als weniger gravierend wahrgenommen. Besonders Einsamkeit adressieren wir im KuschelRaum mit unserem Angebot, da Berührungen Verbindung schaffen, Nähe zu anderen Menschen herstellen und dadurch ein Gefühl der Gemeinschaft vermitteln können.
Wie wird Depression behandelt? – Psychotherapie, Medikamente und ergänzende Ansätze
Die schulmedizinische Behandlung von Depressionen umfasst in der Regel psychotherapeutische Gesprächstherapie und – insbesondere in akuten Phasen – auch den Einsatz von Antidepressiva, also stimmungsaufhellenden Medikamenten. Häufig kommt eine sogenannte supportive Psychotherapie zum Einsatz, bei der Zuwendung, Verständnis und eine tragfähige therapeutische Beziehung im Vordergrund stehen und in der Psychotherapeut:innen ihren Patient:innen kontinuierlich Wärme und Wertschätzung entgegenbringen. Ergänzend können biologische Verfahren wie Lichttherapie, Schlafentzug oder – bei schweren, therapieresistenten Verläufen – auch Elektrokrampftherapie angewandt werden. Nach der akuten Phase folgt häufig eine verhaltenstherapeutische Begleitung.
Zuwendung und Wertschätzung auch auf körperlicher Ebene erfahrbar machen
Ein zentraler Wirkfaktor in der psychotherapeutischen Arbeit ist die zugewandte, wertschätzende Beziehung zwischen Therapeut:in und Patient:in. Genau hier knüpft auch unsere Arbeit im KuschelRaum an – jedoch mit einem anderen Medium.
In der Kuscheltherapie steht nicht die verbale Auseinandersetzung im Vordergrund, sondern die achtsame, einvernehmliche Berührung als Form von Beziehungsgestaltung. Das Geschenk der Kuscheltherapie besteht dabei nicht nur in der Berührung selbst, sondern in der präsenten Aufmerksamkeit, der Annahme und der respektvollen Zuwendung, die darüber vermittelt werden.
Viele Klient:innen beschreiben, dass sie Wertschätzung und Sicherheit auf diese Weise nicht nur verstehen, sondern körperlich erfahren können. Berührung wird so zum Träger einer Botschaft: Du bist willkommen. Du bist richtig, so wie du bist.
Warum Berührung in der klassischen Psychotherapie nur selten eingesetzt wird, hat historische, ethische und ausbildungsbezogene Gründe – ein Blick in diese Hintergründe hilft, die klare Abgrenzung der professionellen Rollen besser zu verstehen.
Warum wird Berührung in der Psychotherapie kaum eingesetzt?
In den meisten psychotherapeutischen Verfahren wird vor allem sprachlich gearbeitet. Die Integration von Berührung in die Behandlung wird von vielen Psychotherapeut:innen bewusst ausgeschlossen. Dafür gibt es unter anderem historische und ethische Gründe. Häufig wird in diesem Zusammenhang auf Freuds sogenannte Abstinenzregel verwiesen, die vorsah, körperlichen Kontakt möglichst zu vermeiden und eine zurückhaltende, emotional neutrale Haltung einzunehmen.
Auch in der Individualpsychologie, die Anfang des 20. Jahrhunderts aus der Psychoanalyse hervorging, blieb körperliche Berührung untersagt. Allerdings wurde hier bereits die emotionale Berührung – also eine zugewandte, empathische Beziehung – als zentraler Wirkfaktor der Therapie verstanden. Eine Ausnahme bilden körperorientierte psychotherapeutische Ansätze, in denen die Wahrnehmung körperlicher Empfindungen bewusst in die therapeutische Arbeit einbezogen wird, ohne jedoch im klassischen Sinne zu berühren. Hier weisen die Therapeut:innen die Patient:innen auf ihr körperliches Geschehen und dessen emotionalen Bezug hin, um deren Selbstwahrnehmung zu fördern.
Was im Rahmen der Psychotherapie aus nachvollziehbaren Gründen meist nicht vorgesehen ist, sind stützende, haltgebende Berührungen – etwa eine Hand auf dem Rücken, das Halten einer Hand oder das Angebot, sich anzulehnen. Solche Formen von Berührung können Trost, Geborgenheit und Verbundenheit vermitteln – über die verständnisvollen Worte hinaus.
Nicht alle Menschen wünschen sich dies. Aus den Rückmeldungen unserer Klient:innen wissen wir jedoch, dass viele genau diese körperlich erfahrbare Form von Zuwendung in ihrem bisherigen Begleitungsprozess vermisst haben. Sie schätzen die psychotherapeutische Arbeit und möchten diese nicht ersetzen, erleben jedoch einen deutlichen Mehrwert, wenn verbale Begleitung durch achtsame, einvernehmliche Berührung ergänzt wird. Viele berichten, dass sie sich dadurch stabiler, sicherer und verbundener fühlen.
Die meisten Psychotherapeut:innen können beides nicht anbieten – zum einen aus berufsethischen Gründen, zum anderen, weil sie in achtsamer Berührungsarbeit nicht ausgebildet sind. Genau hier liegt das Kompetenzfeld der Kuscheltherapie. Damit Berührung tatsächlich Wertschätzung, Respekt und Sicherheit vermitteln kann, braucht es wache Hände, einen präsenten Körper und die Fähigkeit, Beziehung nicht nur sprachlich, sondern auch körperlich bewusst zu gestalten.
Welche Rolle spielen Zuwendung und Beziehung bei Depression?
Wichtig ist uns, an dieser Stelle ganz klar zu sagen, dass wir psychotherapeutische Begleitung bei Depression nicht als sinnlos oder überflüssig erachten. Die Auseinandersetzung damit, wie es zum aktuellen Zustand kommen konnte, Verhaltensanalyse und auch Änderungen von Verhalten stellen wichtige Meilensteine auf dem Weg der Besserung dar.
Wovon wir jedoch überzeugt sind ist, dass Berührung – besonders Kuscheltherapie – einen deutlichen Mehrwert bietet und Psychotherapie zielführend unterstützen kann. Körperkontakt kann sehr heilsam sein – das drückt sich schon im Wort Be-hand-lung aus – und Expert:innen sprechen bereits von Berührungsmedizin. Zwar wird der Tastsinn in der Forschung leider immer noch recht stiefmütterlich behandelt, doch liefern Studien mittlerweile deutliche Hinweise für die Wirksamkeit von Berührung. Untersucht wurden meist Behandlungsmethoden wie Massagen, und hier erwiesen sich besonders jene als wirksam, die langsames Streicheln und eher sanften Druck beinhalteten.
In Studien zeigte sich, dass während bzw. nach Berührung
- die Proband:innen ihr Allgemeinwohlgefühl im Vergleich zum Ausgangsniveau als deutlich erhöht wahrgenommen haben (u. a. verringerte sich die Muskelspannung).
- die Schmerzen der Behandelten gelindert oder sogar gehemmt werden konnten.
- eine signifikante Verminderung von chronischer Erschöpfung und Stress bei den Betroffenen festzustellen war. Hier erwiesen sich Massagetherapien mit mäßigem Druck als besonders wirksam.
- weniger Ängstlichkeit und depressive Stimmung bei den Proband:innen vorhanden war.
- es zu einer Verminderung des sozialen Rückzugs kam (weniger Bindungsangst und erhöhte Bereitschaft, auf Menschen zuzugehen und in den Kontakt zu treten).
- deutlich weniger negative Gedanken bei den Proband:innen aufgetreten waren und sich Gefühle von getröstet sein, Geborgenheit und Zuversicht einstellten.
Berührungstherapie bei Depression – sinnvolle Ergänzung?
Berührungstherapie (Berührungsmedizin) kann jede Form der professionell ausgeführten, berührungsbasierten Körperarbeit umfassen. Auf Basis körperorientierter und psychosomatischer Forschung wurden von Fachvertreter:innen – unter anderem von Oerlinghausen und Kiebgis – speziell auf depressive Symptomatik zugeschnittene berührungsbasierte Ansätze entwickelt. Diese Verfahren setzen vor allem auf langsame, regulierende Berührungen, die das Nervensystem ansprechen und Prozesse von Entspannung, Sicherheit und innerer Stabilisierung unterstützen können.
Hinweis: Die genannten Ansätze beziehen sich u. a. auf Arbeiten aus der körperorientierten Psychotherapie und psychosomatischen Massage im deutschsprachigen Raum (z. B. Oerlinghausen, Kiebgis).
Slow-Stroke-Massage, Psychoregulative Massage, Psychoaktive Massagetherapie und Kuscheltherapie
- Slow-Stroke-Massage: Hierbei wird mit sanftem Druck langsam über große Hautpartien gestrichen. Sie wird im Liegen und in einer ruhigen Umgebung für 60 Minuten durchgeführt. Die Slow-Stroke-Massage aktiviert gezielt Nervenfasern, die langsame Berührungen weiterleiten und kann zur Linderung depressiver Symptome und von Angst beitragen.
- Psychoregulative Massage: Auch hier wird langsam und sanft massiert. Studien zeigen, dass die psychoregulative Massage besonders bei psychosomatischen Rückenschmerzen, die bei Depression auftreten können, hilft.
- Psychoaktive Massagetherapie: Durch sehr langsame Streichungen und Mobilisierungen des Körpers werden bestimmte Nervenfasern aktiviert, die mit Arealen des Gehirns verbunden sind, welche ausschließlich dafür zuständig sind, Wohlgefühle zu produzieren.
- Kuscheltherapie ist (meist) Gehalten sein und sanftes, langsames Streicheln. Neben dem näheren Kontakt zwischen Kuscheltherapeut:in und Kient:in besteht der einzig signifikante Unterschied zu den oben genannten Massageformen darin, dass beim Kuscheln weniger Haut-zu-Haut-Kontakt entsteht, da die Berührungen meist, aber nicht ausschließlich, auf der Kleidung erfolgen.
Ausschlaggebend ist bei jeder Form der Berührungsmedizin die Qualität der Berührung. Ob sie bewusst und achtsam geschenkt oder „mechanisch“ ausgeführt wird (bspw. gedankenlos nebenbei beim Fernsehen), macht einen entscheidenden Unterschied: Wird Berührung als bloßer, oberflächlicher Kontakt erlebt – oder berührt, rührt an, bewegt und geht im positiven Sinne unter die Haut. Diese Qualität ist nicht selbstverständlich und wird in vielen klassischen Massageausbildungen eher am Rande thematisiert. Häufig steht die Technik im Vordergrund, weniger die Frage, wie es sich anfühlt, einem Menschen mit Präsenz, Annahme und Beziehung zu begegnen. Die „fertigen“ Masseur:innen verfügen dann zwar über ein reiches Berührungsportfolio, sind sich aber nicht bewusst, dass sie nicht nur Haut, Muskeln und Gewebe, sondern einen Menschen mit Herz und Seele berühren. In der Ausbildung zur Kuscheltherapeut:in wird genau darauf – auf den Aspekt der persönlichen Bindung – besonderer Wert gelegt. Genau das ist das Geschenk des Kuschelns.
Warum und wie helfen Berührungen bei Depression?
Die Wirksamkeit beruht unter anderem darauf, dass durch liebevolle Berührung Oxytocin ausgeschüttet wird. Da Oxytocin auch als das „Kuschelhormon“ bekannt ist, wollen wir hier besonders darauf eingehen.
Oxytocin – die neurobiologische Wirkung von Berührung
Oxytocin ist ein Hormon, das eng mit Bindung, Sicherheit und sozialer Verbundenheit verknüpft ist. Es wird insbesondere bei emotionaler Nähe und Zärtlichkeit ausgeschüttet – etwa beim Körperkontakt zwischen Bezugspersonen, beim Stillen oder auch bei sexueller Intimität. Bereits sanfte, achtsame Berührung kann die Ausschüttung von Oxytocin anregen. Es spielt eine zentrale Rolle in der Mutter-Kind-Bindung und unterstützt auch in Paarbeziehungen Gefühle von Verlässlichkeit, Sicherheit und emotionaler Nähe. Darüber hinaus beeinflusst es, wie Menschen außerhalb enger Bindungen in Kontakt treten: Es fördert Vertrauen, Beziehungsbereitschaft und soziale Offenheit und kann in zwischenmenschlichen Situationen deeskalierend wirken.
Auf psychologischer Ebene wird Oxytocin mit einem Gefühl von Behaglichkeit und Geborgenheit in Verbindung gebracht. Es kann das innere Erleben stabilisieren, Selbstvertrauen fördern und dazu beitragen, sich mit sich selbst und anderen wohler zu fühlen. Auch physiologisch wirkt Oxytocin regulierend: Es kann Blutdruck und Herzfrequenz senken, die Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin und Kortisol dämpfen und das körpereigene Beruhigungs- und Belohnungssystem aktivieren. In diesem Zusammenhang wird Oxytocin auch mit einer Reduktion von Angst, sozialem Stress und einer verbesserten Stressverarbeitung in Verbindung gebracht.
Kurz gesagt: Oxytocin unterstützt Prozesse von Bindung, Sicherheit und Stressregulation – Faktoren, die im Umgang mit depressiven Symptomen eine stabilisierende und unterstützende Rolle spielen können.
Vor diesem Hintergrund lässt sich nachvollziehen, warum Massagen und Kuscheln – besonders wenn sie achtsam und liebevoll erfolgen – als Form therapeutischer Berührung bei psychosomatischen Beschwerden eingesetzt werden und die Behandlung von Depressionen sinnvoll ergänzen können.
Alternativen: Wie Berührung im Alltag unterstützt werden kann
Massagen und Kuscheltherapie als Möglichkeiten der Unterstützung wurden schon beleuchtet. Doch was können Menschen tun, die nicht über die finanziellen Mittel verfügen, sich diese regelmäßig oder zumindest über einen längeren Zeitraum hinweg zu gönnen. Der Besuch von Kuschelpartys stellt hier eine preisgünstige Alternative dar: Das Kuscheln mit Gleichgesinnten nach Regeln und unter Anleitung von Kuschelpartyanbieter:innen. Im KuschelRaum bieten wir unterschiedliche Formate mit verschiedenen Schwerpunkten im Erleben an: etwa Bewusst berühren mit Fokus auf Grenzen, Wünsche und Bedürfnisse, Kakao und Kuscheln mit dem Schwerpunkt auf zwischenmenschlicher Nähe und Herzöffnung sowie die Playfight Edition, in der neben kuscheliger Zuwendung auch die Erfahrung von Kraft und Stärke möglich ist.
Ziel unserer Arbeit ist, neben all den positiven schon benannten Effekten, Menschen dazu zu ermutigen und darin zu bestärken, sich mehr Berührung in ihr Leben einzuladen und auch schon bestehende Beziehungen kuscheliger und berührungsintensiver zu gestalten. Wird das Bedürfnis nach liebevoller Berührung klar erkannt, fällt es meist gar nicht mehr so schwer, auf Freund:innen, Familie und Partner:innen zuzugehen und den Wunsch nach mehr Berührung auszudrücken. Gelingt die Integration, besteht wieder Unabhängigkeit von professionellen Masseur:innen und Kuscheltherapeut:innen und die positiven Wirkungen werden mit den Liebsten geteilt.
Berührung in bestehende Beziehungen einzuladen – sei es in Liebesbeziehungen oder Freundschaften – ist der wohl wichtigste Ansatz. Ist dies nicht möglich, stellen Selbstberührung und auch Haustiere eine Alternative dar, sich etwas berührend Gutes zu tun. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit einen oder mehrere Kuschelbuddys zu finden. Bei den Kuschelbuddys by KuschelRaum treffen sich Kuschelinteressierte und gehen, wenn es sich stimmig anfühlt, in den kuscheligen Austausch
Unser Rat: Lass Berührung zu etwas Alltäglichem in deinem Leben werden – ganz unabhängig davon, ob du dich von Depression betroffen fühlst oder nicht.
Unsere Empfehlung: Kuscheltherapie, Massage oder Kuschelpartys?
Fühlst du dich in der Lage, nimm gern an unseren Kuschelpartys teil. Lerne Gleichgesinnte kennen und tausche wohltuende Berührungen aus. Komme in den Kontakt mit anderen Menschen und nimm dich wieder als soziales Wesen wahr. Brauchst du mehr Sicherheit, u. a. die Sicherheit, dass es wirklich nur um dich geht und du ganz achtsam und langsam bekuschelt wirst, dann wähle lieber die Kuscheltherapie. Hier kannst du dir aussuchen, wer dein kuscheliges Gegenüber sein wird. Die Kuscheltherapeut:innen des KuschelRaums schenken dir gern ihre liebevolle Aufmerksamkeit.
Wir empfehlen die folgenden Kuschelsessions zum Entspannen, Wohlfühlen und um dich selbst besser kennenzulernen:
- Kuschelsession „Zeit für mich“ – um dich einfach halten, streicheln und beschenken zu lassen.
- Kuschelsession „Mein Körper, mein Kompass“ – um deine Körperwahrnehmung zu vertiefen und dich wieder bewusster zu spüren.
- Kuschelsession „Kuscheln und Massage“ – eine Kombination aus sanftem Streicheln, achtsamer Massage und kuscheliger Nähe.
Darüber hinaus empfehlen wir folgende Einzelsessions, wenn du gezielt an Themen arbeiten und in einem besonders entschleunigten, geschützten Rahmen neue Erfahrungen machen möchtest:
- Prozessorientierte Kuscheltherapie – um konkrete Themen achtsam zu erforschen und neue, positive Referenzerfahrungen zu ermöglichen.
- Somatisches Coaching – um in einem klar gehaltenen Raum Themen wie Nähe, Intimität und bewussten Kontakt körperorientiert zu reflektieren.
Mehr zum Thema erfährst du in unserem Blogartikel: „Die Bedeutung von Nähe: Kuscheltherapie im Kontext von Missbrauch und Trauma“.
Du bist nicht zu viel. Du bist gerade wie du bist. Du bist willkommen.
Fazit: Berührung als unterstützende Ressource bei Depression
Kuscheltherapie ist Berührungstherapie ist Berührungsmedizin.
Studien und Erfahrungsberichte deuten darauf hin, dass Berührungen depressive Beschwerden lindern können. Sie stellen eine Möglichkeit dar, den Körper wieder positiv(er) wahrzunehmen. Daraus lässt sich ableiten, dass Massagen und besonders achtsames liebesvolles Kuscheln als eine Form der therapeutischen Berührung bei psychosomatischen Störungen eingesetzt werden können und die Behandlung von Depressionen sinnvoll ergänzen kann. Bei leichten depressiven Symptomen wäre es vielleicht sogar ein sinnvoller erster Schritt.
Die für die von Depression Betroffenen richtige Berührung kann eine Quelle der Unterstützung und eine kraftvolle Ressource sein. Wir durften hier Zeug:innen sehr berührender Entwicklungsprozesse sein, nicht im Sinne von Wunderheilung, sondern in Form von sanfter stetiger Entwicklung. Nicht als schnelle Lösung, sondern als behutsamer Weg, wieder in Kontakt mit sich selbst und anderen zu kommen.
Mehr zum Thema Berührung:
- „Das große Berührungs-ABC: 26 Schlüsselbegriffe rund um Nähe, Achtsamkeit & Consent“
- „Berührung, die beruhigt – Wie du mit sanften Impulsen dein Nervensystem stärkst“
- „Kuscheltherapie und die Begleitung von trauernden Menschen“
- „Die Bedeutung von Nähe: Kuscheltherapie im Kontext von Missbrauch und Trauma“





